Erscheinungsjahr: 2006       WER 6564 2      Bestellen

Enno Poppe

CD

1 Holz

2 Knochen

3 Öl

Enno Poppe widmet sich dem Klang mit der kritischen Gelassenheit eines wissenschaftlichen Beobachters. Unter seiner Hand brütet, wächst und wuchert der Stoff wie eine lebendige Kultur. In seinem Zyklus Holz - Knochen - Öl werden die Naturmaterialien, auf die er im Titel anspielt, zu "Chiffren des Organischen" (Poppe). Indem er Modelle organischen Wachstums auf das Klangmaterial appliziert und die motivischen Zellen allmählich verästelt, entstehen Werke als komplex-bewegte Lebewesen, die ihrem natürlichen Vorbild auch ihrer Regelmäßigkeiten und Asymmetrien nach gleichen.

Holz - Knochen - Öl ist ein poetischer und dramatischer Zyklus, der sich nicht nur als Studie der Materialbeschaffenheiten hören lässt - von der biegsamen Stabilität der fasrigen Stimmverläufe in Holz über das harte "Martellatissimo" und trockene "Secco" in Knochen bis zum zähen, aber energischen Strom ineinander fließender Linien in Öl. Poppe erzählt auch die Geschichte des Werdens und Verfalls. Holz wird als lebendiges, wachsendes Material greifbar. Knochen verheißen Wachstum, dann Stabilität, Härte und - als Vanitas-Symbol - den Tod. Öl wiederum gemahnt als Rückstand vergangenen Lebens seinerseits an Vergänglichkeit und einen Jahrmillionen dauernden Zerfall, während es gleichzeitig als Energiequelle neues Leben stiftet.

Holz - Knochen - Öl ist aber auch eine Arbeit über den Traditionsbestand der Moderne. Über die Möglichkeit, heute noch ein Solokonzert zu schreiben. Über die Frage, ob sich das von der Avantgarde vernachlässigte Konzept der Melodie aktualisieren lässt. Und über harmonische Verfahren, die auf mathematischen Operationen und Frequenzwerten beruhen und trotzdem als naturhaft, organisch und musikalisch sinnvoll wahrgenommen werden.

Björn Gottstein

1969          am 30. Dezember in Hemer/Sauerland geboren
  Enno Poppe studierte Dirigieren und Komposition an der Hochschule der Künste Berlin, u.a. bei Friedrich Goldmann und Gösta Neuwirth. Weiterführende Studien im Bereich Klangsynthese und algorithmische Komposition führten ihn an die Technische Universität Berlin und zu Heinrich Taube an das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe.
ab 1980 Erste Kompositionen mit zehn Jahren, mehrfach 1. Preisträger bei "Jugend komponiert"
1996 Studienaufenthalt an der Cité Internationale des Arts, Paris
1999 Einladung zum Komponistenseminar im Künstlerhaus Boswil
1992/95/98 Kompositionsstipendium des Berliner Senates
1994 Stipendium der Märkischen Kulturkonferenz
2001 Stipendium der Wilfried-Steinbrenner-Stiftung
2002/03 Stipendiat der Akademie Schloss Solitude
1998 Boris-Blacher-Preis für "Gelöschte Lieder"
2000 Kompositionspreis der Stadt Stuttgart für "Knochen"
2002 Busoni-Preis der Akademie der Künste Berlin
2004 Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung
2005 Schneider-Schott-Preis
seit 1998 Dirigent des ensemble mosaik
2002-2004 Lehrbeauftragter für Komposition an der HfM "Hanns Eisler" Berlin
2004 Lehrtätigkeit bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik
  Kompositionsaufträge und Aufführungen (Auswahl):
  Wittener Tage für neue Kammermusik, Wien modern, Donaueschinger Musiktage, Musiktriennale Köln, UltraSchall (Berlin), MaerzMusik (Berlin), Présences (Paris), Basler Musikmonat 2001, Éclat (Stuttgart), musica viva München, Salzburger Festspiele, Frankfurt, Brüssel, Genf, Barcelona, St.Petersburg, L'viv (Lemberg).
  Interpreten (Auswahl):
  Ensemble Modern, Klangforum Wien, ensemble mosaik, Ensemble Contrechamps, musikFabrik, Kairos-Quartett, Stefan Asbury, Emilio Pomàrico, Kasper de Roo, Peter Rundel, Ed Spanjaard.
  (Stand: 2006)

CD

1 Holz (1999/2000)
für Klarinette und Ensemble

Knochen (1999/2000)
für Ensemble
2 I
3 II
4 III

Öl (2001)
für Ensemble
5 I
6 II

Ernesto Molinari, Klarinette
Klangforum Wien
Ltg. Stefan Asbury

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