
Erscheinungsjahr: 1993 WER 6516 2 Vergriffen
1-10 fallen, fallen ... und liegen und fallen
11-13 Zeitsprünge
14-16 Ungaretti-Lieder
Sein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und seine politische Wachheit artikuliert Stäbler in einer überaus vielschichtigen und bedeutungsreichen Musiksprache. Er zielt auf eine universale Semantisierung möglichst aller Momente des Tonsatzes. Stäbler geht höchst genau und konstruktiv mit Musik um und spürt dem Widerhall des Weltlaufs bis ins Material nach.
Das zeigt sich in einem weit gefächerten, originellen Spektrum von Stoffen, Themen und Verfahrensweisen einer Codierung, die ihrerseits die Töne zum Sprechen über die Welt bringt. Emotionale Teilnahme ist Voraussetzung, rational gefasste Stellungnahme ist die Konsequenz. Ernst und Engagement sind dabei oft mit Spielerischem und Witz gepaart.
Durchweg bevorzugt Stäbler allmähliche, konzentrierte Abläufe. Sie basieren mehr auf Parataxe, auf Montage eines Neben- und Nacheinander von verschiedenen Blöcken und Elementen, und weniger auf Hypotaxe, dem Prinzip der Unterordnung und klassisch-organischer Entwicklung.
Immer wieder öffnet er aber auch die dichte homogene, manchmal fast monadische Struktur seiner Werke für 'Ausblicke' nach draußen, für 'Realien', für Einsprengsel von Heterogenem: sei es in Gestalt von dokumentarischem 'Originalton' oder von musikalischen Zitaten, die er als Fremdes und Anderes kenntlich macht - so etwa eindringlich in der Tonband-Schicht der Celan-Gesänge. Wie in einem Kippbild wechselt dann, je nach Blickwinkel, die Hervorhebung der drastischen Realien oder der subtileren mikrologischen Abläufe.
Hanns-Werner Heister
| 1949 | Geboren in Wilhelmsdorf |
| 1968-74 | Studium an der Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold und an der Folkwanghochschule Essen, Komposition bei Nicolaus A. Huber, Orgel bei Gerd Zacher |
| 1982 | Cornelius Cardew Memorial Prize, London |
| 1983 | Arbeit am Computermusik-Zentrum der Stanford University/USA |
| 1982-84 | Lehrauftrag für Musiktheorie an der Folkwanghochschule Essen |
| 1985-86 | Kompositionsstipendium der "Heinrich-Strobel-Stiftung" des Südwestfunks |
| 1986-87 | Djerassi-Artist-in-Residence, USA |
| ab 1986 | Veranstaltung des Festivals "Aktive Musik" im Ruhrgebiet |
| 1987 | Die Spieldose als offizieller Beitrag der Bundesrepublik Deutschland bei den Weltmusiktagen in Frankfurt |
| 1988 | Gastdozent in den USA und der Republik Korea |
| 1989 | Gastprofessur an der University of Illinois Urbana |
| 1990 | Gast des Festivals "Composer-to-Composer" in Telluride/USA und bei den "Internationalen Ferienkursen für Neue Musik" in Darmstadt, "Prix de la Ville de Digne-les-Bains" |
| 1991 | mehrwöchige Konzert- und Vortragsreise nach Japan und Korea, Veranstaltung des Festivals für Neue Musik im Ruhrgebiet "Mit Stimmen" |
| 1992 | Composer in residence an der Nord Western University Chicago |
| (Stand: 1993) |
fallen, fallen ... und liegen und fallen (1988/89)
für Mezzo-Sopran, Akkordeon, Tuba
1 No. 1 Blume
2 Buchstabe D (Takt 65)
3 No. 2 Sprachgitter
4 No. 3 Schneebett
5 No. 4 Nacht
6 No. 5 Argumentum e silentio
7 Buchstabe Q (Takt 257)
8 Takt 314
9 Buchstabe T (Takt 268)
10 Zu-Stück denk dir
Christine Whittlesey, Sopran · Teodoro Anzellotti, Akkordeon ·Daniel Chambard, Tuba
Leitung: Gerhard Stäbler
Zeitsprünge (1990)
für Akkordeon und Schlagzeug
11 Buchstabe A
12 Buchstabe H
13 Buchstabe P
Rainer Römer, Schlagzeug · Teodoro Anzellotti, Akkordeon
Ungaretti-Lieder (1990)
für Stimme und Schlagwerk
14 I Soldaten
15 II Wenn mein Bruder
16 III Landstreicher
Christine Whittlesey, Sopran · Rainer Römer, Schlagzeug · Martá Fábián, Cymbalon