
Erscheinungsjahr: 2011 WER 6581 2 Bestellen
1 HAL
2 High Noon: Moskitos
3 Ripley-Musik V
4 Qs Nachtstück
5-14 Gassenhauermaschinensuite
15-16 Picard
Zwei Dinge sind es, die gleich beim ersten Hören für Gordon Kampes Musik einnehmen: Erstens einmal klingt sie nicht nach jenem kunstgewerblichen Allerlei, das sich seit einigen Jahren in der zeitgenössischen Musikszene breit gemacht hat und einem aus gut zwei Dritteln der musikalischen Neuproduktion in Gestalt voraussehbarer Klang- und Texturbausteine anspringt. Kampes Werke dagegen machen neugierig, weil sie den Hörer immer wieder mit der Frage konfrontieren, wie sich eine einmal begonnene Klangsituation weiterentwickeln könnte. Indem der Komponist ein voraussagbares Hantieren mit der Rhetorik eingeschliffenen Avantgarde-Designs vermeidet, kann er in seiner Musik einen Ideenreichtum entfalten, dessen Vielfalt gleichwohl an die sorgfältige strukturelle Organisation aller herangezogenen Materialien gebunden ist. Gerade deshalb aber haben Kampes Arbeiten - zweitens - etwas zu bieten, was den Schöpfungen vieler Kollegen abgeht: Sie besinnen sich auf einen gewitzten, manchmal gar anarchischen Humor, der überhaupt nicht zu jener Aura weihevollen Ernstes passen will, mit der sich die Komponistenszene häufig umgibt. Dazu gehört auch, dass Kampe um die Themen der klassischen Literatur und Philosophie einen großen Bogen macht und die bildungsbürgerliche Attitüde des biederen Neue-Musik-Akademismus mitsamt seiner in Titeln versenkten Hölderlin-Zitate und Betroffenheitspünktchen aus großer Distanz und mit wacher Skepsis betrachtet. Es überrascht daher nicht, dass er seine Anregungen anderswo abschöpft und sich häufig auf Bilder aus den Diskursen der populären Kultur besinnt, die gleichwohl längst zu Sedimenten unseres kulturellen Gedächtnisses geworden sind.
Stefan Drees
Gordon Kampe wurde 1976 in Herne geboren und studierte nach einer Ausbildung zum Elektriker, Komposition bei Hans-Joachim Hespos, Adriana Hölszky in Rostock und bei Nicolaus A. Huber an der Folkwang Hochschule in Essen. Er erhielt mehrfache Auszeichnungen, darunter der Stuttgarter Kompositionspreis (2007 und 2011), der Komponistenpreis der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung (2016), der Rom-Preis (Villa Massimo) und den Schneider-Schott-Preis (2016). Seit 2017 Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Bereich des Musiktheaters. Aufführungen seiner Werke u. a. beim Ultraschall-Festival Berlin, eclat-Festival Stuttgart, Warschauer Herbst, den Wittener Tagen für neue Kammermusik, der Ruhrtriennale, den Donaueschinger Musiktagen, in der Staatsoper Stuttgart, der Staatsoper München, der Staatsoper Hamburg, den Staatstheatern Mainz, Gießen und Oldenburg, der Deutschen Oper Berlin, dem Aalto-Theater Essen, den Bayreuther- und den Salzburger Festspielen u. v. a.
"gassenhauer"
1 HAL (2010)
für Kontrabassklarinette, Akkordeon, Kontrabass, Klavier und Zuspielungen
Carl Rosman, Klarinetten
John Eckhardt, Kontrabass
Eva Zöllner, Akkordeon
Mark Knoop, Klavier
2 High Noon: Moskitos (2003/2006)
für Orchester
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Peter Hirsch
3 Ripley-Musik V (2005)
für Bassklarinette, Violoncello und Klavier
e-mex ensemble
4 Qs Nachtstück (2008)
für Flöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Violoncello, Kontrabass und Klavier
L'ART POUR L'ART
Leitung: Michael Schröder
5-14 Gassenhauermaschinensuite (2009)
für Klarinette, Violoncello, Akkordeon, Klavier, Schlagzeug und Zuspielungen
e-mex ensemble
Leitung: Christoph Maria Wagner
15-16 Picard (2006/2010)
für Flöte, Klarinette, Saxofon/Tárogató, Posaune, E-Gitarre, Schlagzeug, Violoncello, Kontrabass und Klavier
L'ART POUR L'ART
Leitung: Michael Schröder