
Erscheinungsjahr: 1996 WER 6523 2 Bestellen
1 Symbolum
2-4 ... im Wind gesprochen
5 Labyrinth I
Hans-Jürgen von Bose gehört zu einer Generation von deutschen Komponisten, die schon in der ersten Hälfte der siebziger Jahre eine Umkehr vollzogen. Sie strebten weg von der sich ständig steigernden Komplexität der Musik und komponierten gleichsam aus dem Bauch heraus. Empörter Protest war die Reaktion auf diese unerhörten Tendenzen, die man aber vorschnell und eilfertig zur Neuen Einfachheit erklärte, um sie zur allgemeinen Beruhigung der Öffentlichkeit irgendwo einordnen zu können. Auf die Neue Einfachheit folgte das Etikett Neoromantik; denn von Bose und seine Altersgenossen interessierten sich für Alban Berg, der unter den drei Wiener Dodekaphonisten - neben Schönberg und Webern - am deutlichsten, trotz reihentechnischer Tüfteleien, an der überströmenden Empfindung einer satten, warmen Harmonik festgehalten hatte. Von Berg war es nur ein kleiner Schritt zu Robert Schumann, dessen wuchernde Klangfiguren einmal zur kostbaren Miniatur, ein anderes Mal zur weit ausholenden Großform neigten.
Für von Bose konnte diese Haltung aber nicht das endgültige Ziel sein. Er sah sich um und lernte aus dem Schaffen von Bernd Alois Zimmermann, György Ligeti und Brian Ferneyhough. An Zimmermann schätzte und schätzt er immer noch den pluralistischen Ansatz, hatte doch gerade der Purismus des sich allem schon Existierenden zu verweigern in eine Sackgasse geführt. Ligeti wurde wichtig, weil er halb ernst, halb spielerisch immer nach neuen Wegen suchte. Die ungeheure Komplexität von Ferneyhough war ein weiteres Korrektiv gegen ein unbesorgtes Draufloskomponieren. Die Moderne aus dem Geist der Romantik neu zu schöpfen, blieb aber von Boses Ideal.
Theo Hirsbrunner
| 1953 | Geboren am 24. Dezember in München |
| 1969 | Beginn seiner musikalischen Ausbildung an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt |
| 1972 | Studienbeginn an der Frankfurter Musikhochschule (Komposition bei Hans Ulrich Engelmann, Klavier bei Klaus Billing) |
| 1975 | Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes, der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks Baden-Baden und der Mozart-Stiftung Frankfurt am Main |
| 1976 | Erster Preis beim Kompositionswettbewerb "Sommerliche Musiktage Hitzacker" |
| 1977 | Auszeichnung mit dem Berliner Kunstpreis |
| 1980 | Stipendiat der Villa Massimo, Rom |
| 1981 | Verleihung des Kritikerpreises für Musik vom Verband der Deutschen Kritiker |
| 1983 | Förderpreis des Hessischen Kulturpreises |
| Förderpreis für Musik der Landeshauptstadt München | |
| 1984 | 2. Preis im International Rostrum of Composers für "Sappho-Gesänge" |
| 1985 | erneut Stipendiat der Villa Massimo, Rom |
| 1986 | Mitglied der Akademie der Künste Berlin |
| 1987 | Förderpreis der Landeshauptstadt Stuttgart |
| 1988 | Schneider-Schott-Musikpreis, Mainz |
| 1989 | Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München; Berufung in die Jury der "Sommerlichen Musiktage Hitzacker"; Dozent bei den Weikersheimer Kursen "Jugend komponiert" |
| 1990 | BMW-Musiktheaterpreis für die beste Opernpartitur ("63: Dream Palace") |
| 1991 | Prix de composition musicale de la Fondation Prince Pierre de Monaco für "63: Dream Palace" |
| 1992 | Austritt aus der Akademie der Künste Berlin |
| seit 1992 | Professor für Komposition an der Staatlichen Hochschule für Musik in München |
(Stand: 1996)
1 Symbolum
für Orgel solo und großes Orchester (1985)
Christoph Bossert, Orgel - Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Leitung: Manfred Schreier
... im Wind gesprochen
Geistliche Musik für Sopran solo, zwei Sprecher, gemischten Chor, Orgel und Kammerorchester auf Texte der Bibel und der Messe sowie vor Giordano Bruno, Sophokles/ Hölderlin, Nicolas Born, Rolf Dieter Brinkmann, Christoph Meckel und Hans Magnus Enzensberger (1984/85)
2 Teil I
3 Teil II
4 Teil III
Melanie Walz, Sopran - Martin Hermann, Detlef Zywitz, Sprecher
Markusvocalensemble - Neue Vocalisten Stuttgart
Christoph Bossert, Orgel - Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Leitung: Manfred Schreier
5 Labyrinth I
für großes Orchester (1987)
Junges Philharmonisches Orchester Stuttgart
Leitung: Manfred Schreier