
Erscheinungsjahr: 2009 WER 6573 2 Bestellen
1 Ungleichzeitiges
2 Der Durchbohrte
3 Die Überwindung des großen Klaffens
4 les asperges de la lune
5 Und. Weit. Flog.
Sven-Ingo Kochs Werktitel wie "Ungleichzeitiges" oder "Die Überwindung des großen Klaffens" deuten auf einen ganz grundsätzlichen Aspekt seines Komponierens. Es ist das Zusammenbringen von heterogenem Material und das unabhängige, nicht synchronisierte Nebeneinander mehrerer Stimmen. Davon ausgehend versucht der Komponist, die Materialien einander anzunähern. Ganz bewusst experimentiert er mit Reibungen der musikalischen Elemente, formt sie strukturell um und übersetzt sie in die Sprache seines Instrumentariums. Das beeinflusst die Erkennbarkeit ihrer Herkunft, die nur bis zu einem gewissen Grad wahrnehmbar bleibt. Manchmal scheint sie recht deutlich durch, ein anderes Mal sind allenfalls flüchtige Spuren zu vernehmen.
"Dissonante Montage" nennt Sven-Ingo Koch sein Kompositionsverfahren und "Transformation" seine Arbeit am Material. Dabei entsteht ein flexibles Geflecht unterschiedlicher Elemente, ein Interagieren im Feld zwischen Collage mit bearbeitetem Material und Durchkomposition einer eher komplex heterogenen Textur. Der Komponist bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen der Faszination an den Kanten, Brüchen und Inkongruenzen der Musik und dem Wunsch nach Einheitlichkeit und Harmonie. Darin spiegelt sich auch die Welterfahrung, dass die Utopie von Einheitlichkeit heute nicht nur stark erschüttert ist, sondern gar unwiederbringlich verloren scheint.
Hanno Ehrler
Sven-Ingo Koch studierte Komposition, Computerkomposition, Klavierspiel und Musikwissenschaft an der Folkwang-Universität der Künste Essen, an der University of California San Diego und in Stanford, u.a. bei Roger Reynolds und Brian Ferneyhough. Zutiefst geprägt von dem aus diesen Studien resultierenden Kalifornien-Aufenthalt (1999-2003), ermöglicht durch Stipendien des DAAD und der Stanford University, wohnt Sven-Ingo Koch mit seiner Lebenspartnerin, der Komponistin Yasuko Yamaguchi, nun wieder in Deutschland, die Weiten der Strände und Wüsten Kaliforniens unsäglich vermissend. Prägend wirkten außerdem längere Aufenthalte in Rom (Villa Massimo) und Istanbul.
Sven-Ingo Kochs Musik wurde u.a. vom Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem WDR Sinfonieorchester und dem Tokyo Symphony Orchestra aufgeführt und wird regelmäßig von Ensembles wie der Musikfabrik, dem Klangforum Wien, dem Ensemble Modern, dem Ensemble Resonanz, den Neuen Vocalsolisten oder dem Auryn-, Arditti-, Sonar-, Michelangelo und dem Vogler-Quartett interpretiert. Für das Ensemble Ascolta entstanden Musiken zu abstrakt-experimentellen Filmen der 1920er Jahre von Walter Ruttmann.
Sven-Ingo Kochs Musik erklang bei Festivals wie musica viva (München), Wittener Tage für Neue Kammermusik, Münchener Biennale, Musik der Zeit (Köln), Internationales Musikfest Hamburg, Eclat (Stuttgart), Ultraschall (Berlin), Zeitfenster - Biennale Alter Musik Berlin, MDR Musiksommer, Dresdener Tage für Neue Musik, Musikfest Stuttgart, Kunstfestspiele Herrenhausen, Warschauer Herbst, musica nova (Helsinki), Salzburger Biennale, Lyon Biennale, Gaudeamus Music Week (Amsterdam), Jerusalem International Chamber Music Festival, Suntory Sommer Festival (Tokyo), Rencontres Musicales de Haute Provence, Presences (Paris), Tzlil Meudcan (Tel Aviv) und Weltmusiktage Luzern.
1 Ungleichzeitiges (2006)
für Solo-Cembalo und Ensemble mit Pauken, Harmonium und Orgel
Peter von Wienhardt, Cembalo
Ensemble Polyphonie T
Leitung: Manfred Schreier
2 Der Durchbohrte (2004)
für Solo-Drumset, Ensemble und Tonbandschnipsel
Dirk Rothbrust, Schlagzeug
musikFabrik
Leitung: Titus Engel
3 Die Überwindung des großen Klaffens (2003-04)
für sechs Sänger, Zuspielband und Live-Elektronik
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Elektronisches Studio von GRAME, Lyon Digital Masters, Stuttgart (Live-Elektronik)
4 les asperges de la lune (2005)
für Klarinette
Chen Halevi, Klarinette
5 Und. Weit. Flog. (2001-02, Revision 2005)
für großes Orchester und Tonband
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Johannes Kalitzke