Eloain Lovis Hübner

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Es knirscht, raschelt, rauscht, rattert, blubbert – erweiterte Spieltechniken, Präparationen und diverse Alltagsmaterialien bringen in den Kompositionen von Eloain Lovis Hübner eine scheinbar endlose Vielfalt an Klängen hervor. Hübner begreift Klang dabei nicht als gesichertes Material, sondern als Zustand oder „als lebendige Relation zwischen Körpern – instrumental, vokal oder elektronisch“, wie Bookletautorin Sophie Emilie Beha beschreibt. „Die Musik bleibt stets in Bewegung, zieht an, stößt ab, kippt, schimmert, bricht auf und setzt sich neu zusammen. Sie schafft Räume, in denen Hören selbst zu einer körperlichen Erfahrung wird: fokussiert, fragil und dabei voller Energie.“

Zwei Werkreihen stehen im Zentrum der CD. „crunch modes 1.0“ (Schallfeld Ensemble) und „crunch modes 3.0“ (Spółdzielnia Muzyczna Contemporary Ensemble) offenbaren zunächst, was typisch ist für Hübners Komponieren – sie zoomen zwischen Mikro- und Makroorganismen und bewegen sich zwischen Struktur und Kontrollverlust, Akkumulation und Zerfall und Radikalität und Zartheit.
„Trauma und Zwischenraum“ entstand unter den Eindrücken der Corona-Pandemie und nimmt drei ganz unterschiedliche Besetzungen in den Blick: im ersten Werkteil Blockflöte, Flöte, präparierte Harfe und Cembalo des Ensembles airborne extended. Im zweiten Teil tauschen die Musiker:innen des Arditti Quartet den Bogen gegen Schneebesen, Korken oder Zahnbürste und erschaffen damit akustische Metaphern. Beim dritten Teil, interpretiert vom Trio Lange//Berweck//Lorenz, kommen hybride Klangkörper wie Akkordeon plus Effektgerät oder Korg MS 20 Mini mit E-Gitarre zum Einsatz.
In „[untitled]“, dem einzigen Vokalwerk der CD, beschäftigt sich AuditivVokal Dresden mit Nonsens-Rede, Geräuschimitation und Filmsprache, die sich auf die legendäre Flughafenszene des Films „Casablanca“ bezieht.

Eloain Lovis Hübner ist Komponist:in mit besonderem Interesse an experimenteller Klangrecherche in der analogen Welt, verräumlichten und transdisziplinären Formaten, Kollaborativität sowie Verflechtungen zwischen Musizierpraxis und sozialen, natürlichen, technischen, urbanen, häuslichen und medialen Umwelten. Viele von Eloains Arbeiten spielen sich im Bereich der künstlerischen Forschung ab oder beziehen geisteswissenschaftliche Einflüsse, insbesondere aus der Soziologie und den Queer Studies, mit ein.

Eloain studierte Komposition in Köln, Dresden und Oslo und schloss ein Masterstudium am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft ab. Die Zusammenarbeit mit Dramaturgin Maria Huber & Szenograph:in Jade Boeckh (als Performance-/Musiktheaterkollektiv "the paranormal φeer group") sowie mit weiteren Künstler:innen (fast) aller Disziplinen führte zu inter-/transdisziplinären Produktionen wie "The Navidson Records(Münchener Biennale, Bühnen Bern), "Orpheus Moments" (Biennale Venedig), "Revolutions Per Minute" (Gallus Theater Frankfurt a. M.), "Ødipus REC." (Gare du Nord Basel, Tojo Theater Bern), "Befriending Ghosts" (Volksbühne, HAU4 @ Performing Arts Festival Berlin), "ALICE" (Espace K Strasbourg, Konzerthaus Berlin), "Loss of Signal" (MS Stubnitz Hamburg, Next Level Essen, BAM! Berlin), "Ja, ich bin da im Shantychor!(Schwankhalle Bremen), "φeerroom" (SPARK Köln, Stimme X Hamburg), "Yes! Yes! Yes!" (HELLERAU), MASSEN (Kunsthalle Bielefeld, Klangwerkstatt Berlin) und vielen weiteren. Darunter befinden sich immersive Klang-/Raum-Konzepte, eine Online-Installation, Durationals, Musiktheater für Kinder, eine Theorieoper im TV-Gameshow-Format, partizipative Formate und Projekte mit Amateur*innen. Die für die Münchener Biennale 2020 komponierte Oper "opera, opera, opera! revenants and revolutionsauf ein Originallibretto von Thomas Köck ist infolge der Corona-Pandemie bis heute unaufgeführt geblieben.

Eloain arbeitet regelmäßig mit international renommierten Ensembles und Solist:innen aus zahlreichen Ländern Europas zusammen. Eine enge Verbindung besteht zur Vokalmusik und zum Ensemble AuditivVokal Dresden, mit dem Eloain als Composer in Residence 2023 drei Uraufführungen realisierte. Zudem entstand mit der Solo-Albumproduktion "n.o.t.i.o.n.s" (2023) und dem Live-Soloprogramm "Back on Stage" (2024) eine eigene Composer-Performer-Praxis auf Instrumenten, die Eloain (im klassischen Sinne) „nicht spielen kann“.

Lehraufträge an interdisziplinären Schnittstellen führten Eloain an Musikhochschulen, Theaterakademien und TransArts-Programme im deutschsprachigen Raum. Eloain kuratierte das niedersächsische Musik 21 Festival 2021-24 und ist vielfältig kulturpolitisch engagiert. Auszeichnungen umfassen den Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart, den Bremer Komponistenpreis, den Deutschen Musikautor*innenpreis, den Kompositionspreis der Stadt Homburg sowie Residenzen in Deutschland, Frankreich, den USA und Kanada. Das Gesamtwerk erscheint exklusiv im Topus Musikverlag Berlin.

www.eloainlovis.de


CD

1 crunch modes 1.0 (2023) 10:28
für verstärktes Ensemble mit Klangobjekten und Live-Elektronik

Schallfeld Ensemble: Elisa Azzarà, Bassflöte · Szilárd Benes, Klarinette · Stephanie Schoiswohl, Sopransaxofon · Manuel Alcaraz Clemente, Schlagzeug · Maria Flavia Cerrato, Klavier · Samuel Toro Pérez, E-Gitarre · Lorenzo Derinni, Violine · Jacobo Díaz Robledillo, Viola · Myriam García Fidalgo, hyperpräpariertes Violoncello · František Výrostko, Kontrabass
Leitung: Leonhard Garms

2 crunch modes 3.0 (2025) 12:42
für verstärktes Ensemble mit Klangobjekten und Audiozuspielung

Spółdzielnia Muzyczna Contemporary Ensemble: Małgorzata Mikulska, Flöte · Tomasz Sowa, Bassklarinette · Krzysztof Guńka, Saxofon · Aleksander Wnuk, Schlagzeug · Aleksandra Płaczek, Klavier · Barbara Mglej, Violine · Paulina Woś, Viola · Jakub Gucik, Violoncello

3 [untitled] (2021) 8:46
für sechs Stimmen und Audiozuspielung

AuditivVokal Dresden: Anne Stadler, Lidia Luciano, Sopran · Marie Bieber, Mezzosopran · Kyle Fearon-Wilson, Tenor · Nikolai Füchte, Bariton · Cornelius Uhle, Bass
Leitung: Olaf Katzer

4 Trauma und Zwischenraum 1 (2020) 14:29
für Blockflöten, Flöten, präparierte Harfe und präpariertes Cembalo

airborne extended: Caroline Mayrhofer, Blockflöten · Elena Gabbrielli, Flöten · Tina Žerdin, Harfe · Sonja Leipold, Cembalo

5 Trauma und Zwischenraum 2 (2021) 11:40
für Streichquartett mit Präparationen und zusätzlichen Klangerzeugern

Arditti Quartet: Irvine Arditti, Ashot Sarkissjan, Violine · Ralf Ehlers, Viola · Lucas Fels, Violoncello

6 Trauma und Zwischenraum 3 (2021) 16:37
für Akkordeon, Schlagzeug/Objekte und E-Gitarre/Synthesizer

Lange//Berweck//Lorenz: Silke Lange, Akkordeon · Martin Lorenz, Schlagzeug/Objekte · Sebastian Berweck, E-Gitarre/Synthesizer

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