
Der Titel „Vida“ des Porträt-Albums von Misha Cvijović vereint Bedeutungsebenen aus verschiedenen Sprachen – Leben, Sicht, Heilung und Mythos. Ebenso vielschichtig ist auch die Musik der Komponistin, die aus der Beschäftigung mit unterschiedlichen klanglichen und künstlerischen Perspektiven resultiert. Bookletautor Carl Rosman erläutert: „Ein ausgeprägtes Bewusstsein für Bühne und Körperlichkeit ist in ihren Werken stets präsent; die Sprache ist typischerweise gestisch, eklektisch und direkt – wenn auch nicht ohne Ironie und Vieldeutigkeit.“
Das Album setzt drei Schwerpunkte: Es beginnt mit frühen Kompositionen wie „Lica Persefone“ und „Tikkun Olam“. Als Teil einer jungen Generation von Komponist:innen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die die hiesige zeitgenössische Musikszene maßgeblich mitprägen, nutzt Cvijović u.a. in „Cirque du Soleil“ mit dem ⅞-taktigen Rhythmus auch musikalische Anleihen aus der Balkanregion. Sie überträgt diesen in eine kaleidoskopische Klangwelt, in welcher u.a. die Trompete (Marco Blaauw) mit kurzen akrobatischen Soli hervorsticht. Die CD umspannt außerdem mit „Penumbra“, „Carbon“ und „Emotional Logic – Anger“ Werke, die vom klassischen Mainstream wegführen und größere Wagnisse in Improvisation und Form eingehen, etwa mit einer Erweiterung des Ensembles durch die Klangfarben von Akkordeon, Baritonsaxofon und E-Gitarre in „Penumbra“. Mit „Iktsuarpok“ und „Incandescent“ verlagert sich der Fokus schließlich auf elektronische und elektroakustische Klangräume.
Fünf dieser Werke wurden in Kooperation mit dem Ensemble Musikfabrik und Deutschlandfunk Kultur eigens für die CD aufgenommen. Auch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Enno Poppe ist zu hören sowie Sebastian Berweck am Minimoog und das Trio Splitsignals Berlin.
Misha Cvijović, geboren in Belgrad, lebt und arbeitet in Berlin als Komponistin, künstlerische Leiterin, Pianistin, Synthesizer-Performerin und Klangkünstlerin. Ihre Werke decken eine Vielfalt zeitgenössischer Genres ab – von Solowerken über Orchester- und Kammermusik, elektroakustische und elektronische Musik, Oper, Musiktheater bis zu Theater und Film. Die Vielseitigkeit ihrer musikalischen Sprache ist das Ergebnis ihres ständigen Experimentierens mit neuen klanglichen und künstlerischen Perspektiven.
Sie studierte Klavier (Vladimir Ogarkov) an der Akademie der Künste in Novi Sad und Komposition (Vlastimir Trajković) an der Fakultät für Musik in Belgrad sowie an der renommierten HfM Hanns Eisler Berlin (Eun-Hwa Cho). Ihre Werke wurden bei vielen internationalen Festivals und Konzerten aufgeführt, darunter: Ultraschall Berlin, MaerzMusik, Heroines of Sound Berlin, Musica Electronica Nova Wrocław, Frequency Kiel, KLANG Copenhagen, SONIC MATTER Zürich, Unerhörte Musik, Klangwerkstatt für Neue Musik Berlin, IMPULS Graz, MUSIKTHEATERTAGE WIEN, Filmfestival Cannes und Filmfestival Rotterdam. Zu den internationalen Interpret:innen ihrer Werke gehören Ensemble Musikfabrik, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB), Ensemble LUX:NM, Zafraan Ensemble, Ensemble RADAR, zone expérimentale Basel, Ensemble Studio 6 und das RTS Symphony Orchestra.
Misha Cvijović war 2021 Stipendiatin der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Berlin und des Musikfonds Berlin mit dem Trio Splitsignals Berlin. Alles Liebe! – eine queere Landoperette von Misha Cvijović (Komposition) und Philipp Amelungsen (Libretto) mit Team wurde 2025 mit dem Reinhold-Otto-Mayer-Preis ausgezeichnet. Die Premiere fand als erste Opernuraufführung einer Komponistin im Hessischen Staatstheater Wiesbaden statt.
Neben ihrer kompositorischen Tätigkeit hat Misha Cvijović seit 2024 einen Lehrauftrag in der Abteilung Musiktheater an der Universität der Künste Berlin (UdK) inne.
Lica Persefone / The Faces of Persephone (2013/14)
Zwei Szenen für Orchester
1 I U Hadu: Zima / In the Hades: Winter 4:03
2 II Na Zemlji: Leto / On the Earth: Summer 6:21
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Enno Poppe
3 Tikkun Olam (2016) 8:00
für Streichquartett
Ensemble Musikfabrik: Sara Cubarsi, Hannah Weirich, Violine · Axel Porath, Viola · Dirk Wietheger, Violoncello
4 Cirque du Soleil (2017) 8:18
für Trompete, Bassklarinette, Marimba, Vibrafon und Kontrabass
Ensemble Musikfabrik: Marco Blaauw, Trompete · Michele Marelli, Bassklarinette · Rita Soares, Vibrafon · Yukari Yagi, Marimba · Florentin Ginot, Kontrabass
Leitung: Gregor A. Mayrhofer
5 Penumbra (2019) 11:00
für Saxofon, Schlagwerk, E-Gitarre, Klavier, Akkordeon und Kontrabass
Ensemble Musikfabrik: Salim(a) Javaid, Sopran/Baritonsaxofon · Dirk Rothbrust, Schlagwerk · Steffen Ahrens, E-Gitarre · Benjamin Kobler, Klavier · Teodoro Anzellotti, Akkordeon · Florentin Ginot, Kontrabass
Leitung: Gregor A. Mayrhofer
6 Carbon (2022/2023) 8:11
für Baritonsaxofon, Posaune, Akkordeon, Klavier und Violoncello
Ensemble Musikfabrik : Salim(a) Javaid, Baritonsaxofon · Bruce Collings, Posaune · Teodoro Anzellotti, Akkordeon · Benjamin Kobler, Klavier · Dirk Wietheger, Violoncello
Leitung: Gregor A. Mayrhofer
7 Emotional Logic – Anger (2020/21) 7:09
für Flöte, Bassklarinette, Trompete, Schlagwerk, Klavier, Violine und Violoncello
Ensemble Musikfabrik: Helen Bledsoe, Flöte · Michele Marelli, Bassklarinette · Marco Blaauw, Trompete · Dirk Rothbrust, Schlagwerk · Benjamin Kobler, Klavier · Sara Cubarsi, Violine · Dirk Wietheger, Violoncello
Leitung: Gregor A. Mayrhofer
8 Iktsuarpok (2021/22) 9:32
für Minimoog Solo und Tape (Minimoog Quartett)
Sebastian Berweck, Minimoog Solo
9 Incandescent (2021) 6:27
für Trompete, analoge Synthesizer und Elektronik
Trio Splitsignals Berlin: Damir Bačikin, Trompete · Misha Cvijović, analoge Synthesizer und Elektronik · Daniel Weingarten, Klangregie