Yongbom Lee

CD bestellen         

Die Musik von Yongbom Lee zeichnet sich durch kontinuierliche Klangströme und ein fein ausbalanciertes Zusammenspiel instrumentaler und elektronischer Klänge aus. Geprägt durch seine interkulturelle Biografie, interessieren Lee insbesondere Schnittstellen und Distanzen kontrastierender Dinge – wie etwa zwischen dem Fremden und dem Eigenen oder dem Bewussten und dem Unbewussten. Daran anknüpfend erläutert Bookletautorin Leonie Reineke: „Ein mit dem Fokus auf Zwischenräume verbundenes Konzept ist auch die Mehrdeutigkeit, die sich thematisch durch alle Kompositionen des Albums zieht. Schwebezustände, assoziative Verläufe wie im Traum, und musikalische Situationen, in denen sich alles aus allem entwickeln kann, finden sich immer wieder.“

So bewegt sich das vom Ensemble Recherche eingespielte Werk „Imaginary Rooms“ zwischen fortschreitendem Narrativ und fragmentarischen Momentaufnahmen. In „Dépaysement“ eruiert der Komponist ebenfalls die Koexistenz widersprüchlicher Konzepte: Der erste Satz gewährt den Musiker:innen des Broken Frames Syndicate improvisatorische Gestaltungsfreiheit, während der zweite Satz streng traditionell notiert ist. Das titelgebende Werk „Continuos Deformation“ für Cello (Kyubin Hwang) und Live-Elektronik (Yongbom Lee), spiegelt Lees Beschäftigung mit Neurowissenschaften. Hier werden die Klangerzeugung und die elektrische Gehirnaktivität der Musikerin miteinander verbunden und führt die Zuhörer:innen durch Obertonlandschaften.

Yongbom Lee wurde in Korea geboren und lebt in Leipzig. Sein interdisziplinäres Schaffen als Komponist und Künstler bewegt sich an der Schnittstelle von Musik, Neurowissenschaft und visueller Kunst. Lee erforscht, wie Biosignale aus EEG und fNIRS, elektroakustische Verfahren und verkörperte Performance in immersive Klanglandschaften und audiovisuelle Installationen transformiert werden können. Lee verbindet instrumentale Tradition mit digitalen Prozessen und untersucht, wie unterschiedliche Elemente – analog und digital, Signal und Rauschen, Intuition und Algorithmus – topologische Verformungen durchlaufen und durch seine künstlerische Arbeit das Hören neu konfigurieren.
Seine Musik wurde unter anderem vom Ensemble Modern, ZDF/ARTE, ORF Austria 1, Ensemble Recherche und dem Ensemble des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien in Auftrag gegeben und aufgeführt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ö1 Talentebörse-Kompositionspreis, den Förderungspreis der Stadt Wien und ein Kompositionsstipendium der Bundesrepublik Deutschland mit Aufenthalt an der Cité Internationale des Arts Paris.
Darüber hinaus wurde seine Musik bei Festivals und Wettbewerben wie impuls Graz, dem Gaudeamus Festival (Niederlande), der Music Biennale Zagreb, dem Internationalen Haydn-Kammermusikwettbewerb (Österreich), Musique en Brionnais (Frankreich), dem Orléans International Piano Competition sowie dem Kurt Weill Festival (Deutschland) präsentiert.
Lee studierte an der Yonsei University in Seoul und später an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Dort wurde er unterrichtet von Michael Jarrell, Johannes Maria Staud und Cheong-Mook Kim (Komposition), Iris Ter-Schiphorst (Medienkomposition) und Gesine Schröder (Musiktheorie). Er war Stipendiat an der Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA) in Frankfurt sowie Fellow Artist am Diverse Intelligences Summer Institute (DISI) in Schottland. Seit 2018 ist er Dozent an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und zudem Gründungsmitglied des Neuro-Art-Kollektivs „aiar collective“, das sich der Erforschung der Schnittstellen von Klang, Technologie und Wahrnehmung widmet.

www.yongbomlee.com 


CD

1 Stasis Field (2023) 12:00
für Ensemble und Sampler
Ensemble Modern / IEMA Ensemble 2023/24: Dietmar Wiesner, Flöte/Piccoloflöte · Megumi Nakajima, Englischhorn · Jaan Bossier, Klarinette, Bassklarinette · Olivia Palmer-Baker, Fagott · Robyn Blair, Horn · Jinhyoung Kim, Trompete/Mundharmonika · Uwe Dierksen, Posaune · Hermann Kretzschmar, Klavier · Shan-Chi Hsu, Synthesizer · David Haller, Schlagzeug · Grzegorz Chwaliński, Schlagzeug · Jagdish Mistry, Violine · Isaac Bifet, Violine · Megumi Kasakawa, Viola · Michael Maria Kasper, Violoncello · Uschik Choi, Violoncello · Emmett Jackson, Kontrabass
Yongbom Lee, Elektronik
Leitung: Jonathan Stockhammer


Imaginary Rooms (2017) 14:56
für Flöte/Bassflöte, Violine, Violoncello, Kontrabass und Perkussion
2 I  4:43
3 II  3:57
4 III  2:42
5 IV 3:33
Ensemble Recherche: Anja Clift, Flöte/Bassflöte · Melise Mellinger, Violine ·
Åsa Åkerberg, Violoncello · Moritz Baerens, Kontrabass · Christian Dierstein, Perkussion

Dépaysement (2018) 12:56
für Ensemble und Sampler
6 I 6:52
7 II 5:24
Broken Frames Syndicate: Katrin Szamatulski, Flöte · Shaghayegh Shahrabi Farahani, Oboe/Englischhorn · Moritz Schneidewendt, Klarinette · Deepa Goonetilleke, Horn ·
Christopher Collings, Trompete · Yu-Ling Chiu, Perkussion · Thibaut Surugue, Klavier · William Overcash, Lola Rubio, Violine · Laura Hovestadt, Viola · Nathan Watts,
Violoncello · Zacharias Faßhauer, Kontrabass
Yongbom Lee, Elektronik
Leitung: Lautaro Mura Fuentealba

8 Continuous Deformation (2024–2025) 6:50
für Violoncello und Elektronik
Kyubin Hwang, Violoncello
Yongbom Lee, Elektronik

9 A Little Night Music (2017, rev. 2021) 8:00
für Flöte/Bassflöte, Klarinette in B/Bassklarinette, Violine, Violoncello und präpariertes Klavier
Ensemble Recherche: Anja Clift, Flöte/Bassflöte · Shizuyo Oka, Klarinette in B/Bassklarinette · Melise Mellinger, Violine

Gefördert von: